Altenpflege: Robotik-Studie beweist konkreten Nutzen für Praxis


Forschungsprojekt SMiLE2getherGaPa liefert im Caritas Altenheim St. Vinzenz in Garmisch-Partenkirchen wegweisende Ergebnisse für die stationäre Altenpflege


München / Garmisch-Partenkirchen, 16.04.2026

Wie kann Assistenzrobotik Pflegepersonen im Alltag spürbar entlasten?
Welche Aufgaben lassen sich sinnvoll automatisieren, ohne den pflegerischen Anspruch zu gefährden?

Antworten auf diese zentralen Zukunftsfragen liefert das dreijährige Forschungsprojekt SMiLE2getherGaPa, das nun erfolgreich abgeschlossen wurde. Die Praxisstudie wurde maßgeblich vom Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. im Caritas Altenheim St. Vinzenz in Garmisch-Partenkirchen getragen und verbindet wissenschaftliche Forschung mit der Realität der stationären Altenpflege.

Zentrale Ergebnisse: Entlastung ist möglich – wenn sie praxisnah gedacht wird

Die Studie zeigt deutlich: Assistenzrobotik kann Pflegepersonen wirksam unterstützen – vor allem bei logistischen, organisatorischen und vorbereitenden Tätigkeiten. Genau dort, wo heute viel Zeit gebunden wird, ohne dass unmittelbare Pflege am Menschen stattfindet. Durch den gezielten Einsatz robotischer Assistenzsysteme können Pflegekräfte entlastet und wertvolle Zeit für die direkte Betreuung von Bewohnerinnen und Bewohnern gewonnen werden.

Besonders erfolgreich erwiesen sich Einsatzszenarien in drei Bereichen:

  • Logistik und Hauswirtschaft (z. B. Hol- und Bringdienste für Material, Essen oder Getränke),
  • pflegerische Unterstützung (u. a. Bereitstellen von Pflegeutensilien oder Unterstützung in Notfallsituationen),
  • Administration (etwa bei Dokumentation, Materialorganisation und Nachbestellungen).

 


Projektgruppe des Forschungsverbundes
Foto © DLR. Alle Rechte vorbehalten

Pflegende als Mitgestaltende – Rolle des Caritasverbands

Ein zentrales Merkmal des Projekts: Die Pflegepersonen des Caritas Altenheims St. Vinzenz waren von Beginn an aktiv eingebunden. Ihre Erfahrungen, Bedarfe und Bewertungen bildeten die Grundlage für die Entwicklung und Beurteilung der Anwendungsszenarien. Damit unterstreicht der Caritasverband: Technik in der Pflege muss gemeinsam mit Pflegenden entwickelt werden. Durch diese enge Praxisanbindung entstanden realistische, umsetzbare Szenarien, die den Arbeitsalltag tatsächlich erleichtern können und gleichzeitig ethische, sicherheitsrelevante und organisatorische Anforderungen berücksichtigen.

So wurde geforscht

Für das Forschungsprojekt SMiLE2getherGaPa kam EDAN zum Einsatz, ein mobiles, robotisches Assistenzsystem, das Pflegepersonen im Arbeitsalltag unterstützt. Der Roboter kann sich selbstständig im Gebäude bewegen und Aufgaben wie Transporte, Bereitstellung von Materialien oder organisatorische Abläufe übernehmen. Ziel seines Einsatzes ist, Pflegekräfte bei Routinetätigkeiten zu entlasten.

Die Anwendungsszenarien wurden in einer simulationsbasierten Testumgebung direkt im Pflegeheim erprobt. Methodisch wurde der „Wizard-of-Oz“-Ansatz genutzt: EDAN wurde dabei von einer Fachperson im Hintergrund gesteuert, ohne dass dies für die Teilnehmenden sichtbar war. So konnten reale Einsatzsituationen getestet und flexibel angepasst werden, während für die Pflegepersonen der Eindruck eines autonom arbeitenden Systems entstand. Dieses Vorgehen ermöglichte sichere, praxisnahe Tests und fundierte Rückmeldungen aus dem Pflegealltag.

Konkret nutzbar: Orientierungshilfe für Einrichtungen

Ein zentrales Projektergebnis ist eine konkrete Orientierungshilfe zum Einsatz von Assistenzrobotik in der stationären Altenpflege. Gemeinsam mit Pflegekräften sowie Expertinnen und Experten aus Pflegewissenschaft, Technik, Ethik, Sicherheit und Wirtschaft wurden darin zentrale Kriterien für Planung, Einführung und Bewertung robotischer Systeme erarbeitet. Das daraus entstandene Whitepaper richtet sich insbesondere an Leitungskräfte stationärer Einrichtungen und unterstützt fundierte Entscheidungsprozesse.


Roboter EDAN
Foto © DLR. Alle Rechte vorbehalten

Bedeutung für die Zukunft der Pflege

Die Ergebnisse von SMiLE2getherGaPa zeigen: Assistenzrobotik kann ein wichtiger Baustein sein, um Pflege unter sich verändernden Rahmenbedingungen zukunftsfähig zu gestalten. Gleichzeitig macht das Projekt deutlich, dass technologische Innovation nur dann erfolgreich ist, wenn sie sich an den realen Bedarfen der Pflegepraxis orientiert und gemeinsam mit den Menschen entwickelt wird, die sie später nutzen.

Ihr Pressekontakt:
Karolin Herzog, E-Mail: pressestelle@caritasmuenchen.org 

 

Das Forschungsprojekt SMiLE2getherGaPa befasste sich mit exemplarischen Anwendungsszenarien für das robotische Assistenzsystem EDAN sowie mit der Entwicklung einer Orientierungshilfe zum Einsatz robotischer Assistenzsysteme in der stationären Altenpflege in Garmisch-Partenkirchen. Das robotische Assistenzsystem EDAN wurde am Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und diente im Rahmen des Projekts als Prototyp, um exemplarische Anwendungsszenarien in der stationären Langzeitpflege in Garmisch-Partenkirchen zu erproben.

Zwischen Juni 2023 und November 2025 fanden hierzu sechs Co-Design-Workshops in  der Caritas-Altenpflegeeinrichtung St. Vinzenz statt. Gemeinsam mit dem Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Katholischen Stiftungshochschule München (KSH München), dem Caritasverband München und Freising e.V. wurden praxisnahe Szenarien entwickelt.

Gefördert wurde das Projekt von der LongLeif GaPa gGmbH, assoziierter Partner ist das Munich Institute of Robotics der Technischen Universität München (TUM/MIRMI).